Das Thema räumliche Distanz ist für unsere Kinder nichts Neues. Natürlich sind die Möglichkeiten sich zu begegnen durch Corona noch eingeschränkter als vorher. Aber die Frage: Wie kann ich auf Distanz eine gute Bindung aufbauen? beschäftigt uns schon so lange, wie unsere Kinder leben. Warum? Weil bei uns manche Großeltern nicht um die Ecke wohnen.

Im Laufe der Jahre haben wir Wege gefunden, die Kilometer, die zwischen uns liegen zu überwinden, uns nahe zu fühlen… auch wenn wir uns nicht jeden Tag sehen können. Unsere Kinder wurden älter und damit veränderten sich auch die Möglichkeiten für eine Beziehung auf Distanz. Moderne Medien spielen dabei natürlich eine große Rolle. Aber heute wollen wir euch von etwas erzählen, das eher in die Kategorie ‘old-school’ fällt. Die Ideen dazu kam allerdings von einem der Enkelkinder selbst: Patchwork-Geschichten.

Patchwork-Geschichten: Was ist das?

Vielleicht kennst du dieses Spiel, bei dem mehrere Personen gemeinsam ein Bild malen. Jeder malt einen Teil und dann wird alles zu einem Kunstwerk zusammengefügt. So ähnlich funktionieren Patchwork-Stories. Bevor es losgeht, macht ihr aus, wer anfängt: Das Enkelkind / die Enkelkinder oder die Großeltern. Bei der nächsten Geschichte, könnt ihr es dann anders herum machen. Wer anfängt, darf das Thema der Geschichte wählen.

Worüber sollen wir schreiben?

Es gibt soooo viele Möglichkeiten. Ihr dürft gerne kreativ sein. Am Anfang fällt das vor allem uns Erwachsenen schwer. Aber mit der Zeit und etwas Übung kommen die Ideen. Für den Anfang haben wir ein paar Vorschläge für euch:

  • Ein ganz normaler Sonntag auf dem Mond.
  • Gemeinsam auf Weltreise gehen.
  • Eine magische Geschichte aus dem Feenwald.
  • Ein kleiner Löwe und ein Nashornmädchen erleben ein Abenteuer.
  • Auf einem Bauernhof.
  • Beste Freunde.
  • Detektiv Schnüffels schwierigster Fall.
  • Im tiefen Wald bei den Rehen.
  • Auf der Baustelle.
  • Das Jahr, in dem Weihnachten und Ostern an einem Tag gefeiert wurden.
  • Ein total verrückter Traum.

Zusatzidee: Ihr könnt unsere Themenvorschläge auf kleine Zettel schreiben, zusammenfalten und dann einen ziehen. Das ist dann euer Thema. Oder ihr nehmt Zettel mit Bildern (z.B. ein Hund, ein Strand) oder Worten (Urlaub, Kindergeburtstag) für die Inspiration zu eurem Schreibthema.

Es geht los… und zwar so:

Derjenige, der anfängt, schreibt die Einleitung der Geschichte. Ein paar Sätze reichen. Die angefangene Geschichte wird danach vom Patchwork-Partner fortgeführt. Wieder ein paar Sätze und dann geht die Story wieder zurück. Oder ihr schickt sie an eine dritte Person (z.B. die beste Freundin). Es können nämlich auch mehr als zwei Personen an einer Geschichte schreiben.

Die Geschichte wandert solange von einer zur anderen Person, bis sie fertig ist. Oder ihr vereinbart eine bestimmte Anzahl an Durchgängen bevor ihr startet. Ihr könnt natürlich auch einfach unsere Vorlagen herunterladen und nutzen. Dann ist die Anzahl der Durchgänge vorgegeben.

Es gibt eine kürzere Variante (z.B. für jüngere Kinder bzw. Anfänger) und eine längere für die älteren:

VORLAGE (kurz -> 1 Seite)

VORLAGE (lang -> 2 Seiten)

Tipp: Damit eure Geschichten nicht ins Leere laufen oder irgendwann abrupt enden, behaltet das Ende im Blick. Wenn ihr merkt, dass ihr nur noch sehr wenige Durchgänge übrig habt, arbeitet auf einen guten Schluss hin.

Wie kannst du deine Kindern dabei unterstützen, interessante Geschichten zu schreiben?

Du kannst deinen Kindern im Laufe eures Projekts erklären, was eine gute Geschichte ausmacht und wie sie aufgebaut ist:

  • Einleitung: Du stellt die Hauptfiguren und ihr Umfeld vor.
  • Hauptteil: Das ist der längste und spannendste Teil der Geschichte. Häufig hat eine der Hauptfiguren ein Problem, eine Herausforderung oder einen Konflikt.
  • Schluss: Ein gutes Ende löst die Themen aus dem Hauptteil auf und beantwortet offene Fragen. Aber es muss nicht immer ein Happy End geben. Im Gegenteil: Oft sind Geschichten, die ein unerwartetes Ende haben, am interessantesten.
  • Adjektive: Eigenschafts- oder Wiewörter (z.B. hell, lang, groß, traurig) machen eine Geschichte interessanter. Mit ihnen kannst du eine Situation genauer beschreiben, Gefühle und Stimmungen ausdrücken.

Du wirst feststellen, dass deine Kinder – neben all dem Spaß, den sie mit den Geschichten haben – mit der Zeit ein Gefühl dafür entwickeln, wie man eine gute Geschichte aufbaut. Das ist eine perfekte Win-Win-Win-Situation: Die Kinder haben Spaß, die Beziehung zu ihren Geschichten-Partner wird gestärkt und sie lernen auch noch etwas für die Schule. Das ist wie Homeschooling ohne dass es sich so anfühlt. JUHU!

Unsere Erfahrungen aus unserem Patchwork-Geschichten Projekt

  • Altersgruppe: Geschichten erfinden können auch schon Vorschulkinder. So wie meine 5-jährige Tochter, die sehr kreativ mitgeholfen hat. Sie hatte viele Ideen, die ich dann formuliert und aufgeschrieben habe. Aber auch Grundschulkinder freuen sich wenn wir Eltern mitmachen. Es motiviert die Kinder und hilft ihnen dabei im Laufe der Zeit immer bessere Geschichten zu schreiben. Wenn die Kinder dann älter sind, werden sie dann vielleicht ganz selbständig ihre eigenen Geschichten erfinden.
  • Zeitpunkt: Wir haben gemerkt, dass es am besten ist, wenn wir uns Zeit zum Schreiben nehmen. Besonders genossen haben wir unser Projekt an verregneten Nachmittagen oder am Wochenende wenn es keine Verpflichtungen durch Home Schooling oder Home Office gab.
  • Menge: Linda Mädels waren gleich begeistert von den Patchwork-Geschichten. Nur den Großeltern schreiben, hat ihnen nicht gereicht. Mittlerweile schreiben sie auch mit Freunden, Tanten, Onkeln und den Nachbarn. Dabei haben wir allerdings festgestellt, dass ein Zuviel einer spannende Sache schnell als Belastung empfunden werden kann. Deshalb raten wir euch: Macht langsam und schreibt nicht zu vielen Leuten.

Was uns erstaunt hat, war die Unterschiedlichkeit der Geschichten, die entstanden sind. Sie unterscheiden sich nicht nur in den Themen, sondern auch im Schreibstil.

Und was kommt nach den Patchwork-Stories?

In Schulen werden Ketten- oder Fortsetzungsgeschichten genutzt, um auf spielerische Art die Freude am Schreiben und Erzählen zu fördern. Und um Kreativität zu wecken. Bei uns hat es geklappt, das mit der Kreativität. Denn als die ersten Geschichten in Gang gekommen waren, entstanden Ideen für danach.

Wir haben uns überlegt, mit den Geschichten und Fotos ein Album für Oma und Opa zusammenzustellen. Außerdem planen die Mädels mittlerweile ein Theaterstück, ein Buch mit Illustrationen zu den Stories und einen Geschichten-Podcast … wow! Wir Eltern beobachten das kreative Treiben der Mädels und freuen uns, dass eine kleine Idee so große Kreise zieht.

Probiert es unbedingt mal aus. Es macht einfach so viel Spaß!

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