20 Wichtel-Ausreden für alle Eltern, die eine Auszeit brauchen
Es ist 23:17 Uhr. Du hast die Brotdosen gespült, eine Nachricht in der Klassen-WhatsApp beantwortet und gerade beschlossen, heute ausnahmsweise rechtzeitig ins Bett zu gehen. Da fällt er dir ein. Der Wichtel! Dieser winzige Untermieter, der seit dem 1. Dezember mietfrei hinter einer Fußleiste wohnt und erstaunlich hohe Ansprüche an sein Unterhaltungsprogramm stellt.
Du stehst also wieder auf. Suchst Mehl. Machst mit zwei Fingern Fußspuren. Und denkst: Ich habe einen Hochschulabschluss. Ich könnte jetzt schlafen. Stattdessen inszeniere ich einen nächtlichen Einbruch in unsere Backzutaten.
Falls du gerade nickst: Willkommen. Setz dich. Der Wichtel macht den Kaffee bestimmt nicht.
Am Anfang war eine kleine Tür. Dann wurde es eine Vollzeitstelle.
Wir müssen etwas gestehen: Auch bei uns wohnt seit Jahren ein Weihnachtswichtel. Wir haben ihn einziehen lassen, uns über leuchtende Kinderaugen gefreut und sogar auf unserem Juhubelbox-Ideen-Blog darüber geschrieben. Wir verstehen die Begeisterung also wirklich. Diese winzige Tür! Die kleinen Briefe! Die Vorstellung, dass nachts ein freundliches Wesen durchs Haus tapst!
Was wir damals nicht ausreichend berücksichtigt haben: Das freundliche Wesen hat kein eigenes Personal. Wir sind das Personal. Wir sind außerdem die Requisite, das Drehbuchbüro, der Briefservice und die Reinigung nach dem angeblichen Zahnpasta-Unfall. Ein Unfall übrigens, der unseren Spiegelschrank irreversibel beschädigt hat. Das muss man auch erst mal schaffen.
Im ersten Jahr reicht ein umgekippter Schuh. Im zweiten hat der Wichtel eine Leiter. Im dritten besitzt er eine ausgestattete Ferienimmobilie und veranstaltet dienstags Themenabende. Leider hat dein Tag weiterhin nur 24 Stunden.
Offenbar hat der Wichtel nicht überall eine gute Verkehrsanbindung
Auf die Idee zu diesem Artikel hat uns ein Reel von @vivianewilde gebracht. Wir haben uns sehr wiedererkannt. Und die Kommentare, die Viviane dazu erreicht haben, zeigen: Andere Eltern verhandeln ebenfalls schon über den Auszug.
Da scheitert ein Wichtelbesuch an der fehlenden ÖPNV-Anbindung. Anderswo ist nach einer Saison Schluss, weil der Wichtel anschließend weiterzieht. Wir sehen: Selbst im Reich der Weihnachtsmagie gibt es Verkehrsplanung und befristete Mietverhältnisse.
Besonders erfrischend fanden wir die Kommentare mit der Erinnerung, dass Kinder auch ohne Wichtel eine wunderbare Vorweihnachtszeit haben können. Falls bei dir noch keiner wohnt: Du solltest dir diesen Schritt gut überlegen. Und falls schon einer da ist: Vielleicht lohnt sich ein Blick in seinen Winterfahrplan.
Wenn der Weihnachtszauber eine Projektleitung braucht
Das Gemeine ist: Wir machen das ja aus Liebe. Weil das Kind morgens zur Tür flitzt. Weil es über den winzigen Brief lacht. Weil diese wenigen Weihnachtsjahre sich kostbar anfühlen. Und weil man abends um halb zwölf leider besonders empfänglich ist für den Gedanken: Das muss ich doch noch schnell hinkriegen.
Nur ist „noch schnell“ im Advent schon ziemlich ausgebucht. Mit Plätzchen für die Klasse. Mit Geschenkideen für Oma. Mit diversen Weihnachtsfeiern und der Frage, ob morgen wirklich schon das Krippenspiel ist. Obendrauf sitzt jetzt ein zehn Zentimeter großer Projektleiter mit Bommelmütze. Wir haben nichts gegen den Wichtel. Wir hätten nur gern, dass er seine Work-Life-Balance endlich wieder eigenständig organisiert… oder zumindest nicht bei uns zuhause.
Du darfst ein Ritual mögen und trotzdem eine Pause brauchen
Beides passt zusammen: Du liebst die Freude deines Kindes. Und du hast heute keine Kraft, einem Kuscheltier eine Toilettenpapierhängematte zu bauen.
Ein Ritual darf sich verändern, wenn es im Familienalltag zu viel wird. Es braucht keine tägliche Steigerung, um schön zu sein. Vielleicht liegt der Zauber für dein Kind längst darin, dass die Tür überhaupt da ist. Vielleicht reicht gelegentlich ein Brief. Vielleicht ist dieses Jahr eine kürzere Wichtelsaison dran.
Falls dein Kind darüber traurig ist, musst du die Enttäuschung nicht sofort mit der nächsten Überraschung wegzaubern. „Du hättest ihn gern länger hiergehabt. Das verstehe ich“ darf erst einmal reichen. Der Wichtel darf fehlen. Du darfst trotzdem bei deiner Entscheidung bleiben.
Vier Möglichkeiten für weniger Wichtel und wieder etwas mehr Freizeit
1. Die Tür bleibt. Das tägliche Programm entfällt.
Ein Einzugsbrief kann erklären: „Dieses Jahr mache ich es mir besonders gemütlich. Deshalb hört ihr nur ab und zu von mir.“ Schon muss hinter der Tür nicht jeden Morgen eine neue Folge der großen Adventsshow entstehen.
2. Der Wichtel nimmt ein paar Tage frei.
Ein Schnupfen. Ein kaputter Schlitten. Hilfe für Oma Tannenzapfen. In der Wichtelwelt gibt es zum Glück viele plausible Gründe für eingeschränkte Erreichbarkeit. Fast wie im echten Büro, nur mit mehr Zimt.
3. Die Saison wird kürzer.
Wer sagt eigentlich, dass ein Wichtel am 1. Dezember auf der Matte stehen muss? Er kann auch später anreisen oder früher abreisen. Die Wichtelbahn hat schließlich ebenfalls einen Fahrplan. Vermutlich einen sehr kleinen.
4. Der Wichtel zieht weiter.
Vielleicht ist das Kapitel für euch abgeschlossen. Dann darf es einen warmen Abschiedsbrief geben, der die gemeinsame Zeit würdigt und kein Wiedersehen verspricht. Du musst nicht jedes Jahr eine kompliziertere Geschichte erfinden, um ein Ritual am Leben zu halten, das euch inzwischen mehr Kraft kostet, als es Freude bringt.
20 Wichtel-Ausreden: Unser Freebie für einen entspannteren Advent
Weil wir finden, dass du deine Wichtelpause nicht auch noch selbst texten musst, haben wir dir die Briefe gleich geschrieben.
Im kostenlosen PDF findest du 20 fertige Wichtelbriefe zum Ausdrucken und Ausschneiden:
- acht Briefe für eine kurze Pause,
- vier für eine frühere Abreise,
- vier für einen späteren Start oder ein Jahr ohne Besuch,
- vier für den dauerhaften Abschied.
Zum Beispiel muss ein Wichtel seiner Oma beim Umzug helfen. Ein anderer wartet in der Wichtelwerkstatt auf seinen Schlitten. Und wieder ein anderer kuriert einen Schnupfen aus. Selbst ein winziger Untermieter ist eben nicht immer einsatzbereit.
Die Briefe verlangen keine Gegenleistung von den Kindern. Niemand muss besonders brav sein, etwas basteln oder dem Wichtel Geschenke hinstellen. Und sie kündigen keine Ersatzüberraschungen an, die du später wieder organisieren müsstest.
Such dir den Brief aus, der zu eurer Geschichte passt. Trage den Namen deines Wichtels ein, schneide die Karte aus und lege sie bereit. Fertig. Wirklich fertig. Du brauchst dafür weder Glitzer noch eine Miniatur-Schubkarre.
Und was machst du mit der gewonnenen Zeit?
Vielleicht trinkst du deinen Tee, während er noch warm ist. Vielleicht liest du drei Seiten. Vielleicht sitzt du einfach da und guckst eine Wand an, an der niemand eine Wichteltür angebracht hat.
Das zählt alles.
Du musst die freie Zeit nicht besonders sinnvoll nutzen. Auch Me-Time braucht keinen Bastelplan.
Und wenn dich morgen doch wieder die Lust auf einen Wichtelstreich packt? Dann viel Spaß. Es darf eine Idee sein, auf die du Lust hast. Es muss kein Dienst sein, zu dem du eingeteilt bist.
Wir wünschen dir einen Advent mit schönen kleinen Momenten. Und möglichst wenigen, die erst um 23:17 Uhr vorbereitet werden müssen.
Alles Liebe, Linda & Astrid









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